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Steckersolar wird größer. Im Mehrfamilienhaus ist der nächste Schritt hybrid

Weniger Neuanmeldungen, aber deutlich größere Anlagen mit Speicher: Der Balkonkraftwerk-Markt sucht mehr Eigenverbrauch. Im Mehrfamilienhaus kommt man dorthin nicht mit immer größeren Steckern und nicht mit Stromverkauf, sondern mit einer hybriden Lösung wie WohnStrom.

SolarMatrix GmbH · Dirk Vollmann, Mitgründer / Partnerschaften

Im September 2026 hat die Bundesnetzagentur nach vorläufigen Zahlen rund 28.600 neue Steckersolargeräte erfasst, nach knapp 42.000 im August. Das ist ein Rückgang um etwa ein Drittel. Nachmeldungen können das Bild noch verändern. Der Blick aufs ganze Jahr zeigt aber vor allem eines: Der Markt wächst nicht mehr über die Stückzahl, sondern über die Größe der einzelnen Anlage.

Die Zahlen hinter dem Trend

  • Mehr als 1,5 Millionen Balkonkraftwerke sind in Deutschland registriert, über 327.000 kamen in den ersten neun Monaten 2026 hinzu
  • Die durchschnittliche Modulleistung neuer Anlagen ist von rund 1.200 Wp (2025) auf rund 1.380 Wp (2026) gestiegen
  • 2026 haben erstmals mehr neue Anlagen vier Module (49 %) als zwei (41 %)
  • Fast neun von zehn neuen Anlagen nutzen die vollen 800 Watt Wechselrichterleistung aus
  • Händler berichten von steigender Nachfrage nach Komplettsystemen mit Speicher

Die Logik dahinter ist einfach: Die Einspeisung bleibt auf 800 Watt begrenzt, Überschüsse werden nicht vergütet. Mehr Module und ein Speicher sorgen dafür, dass öfter und länger eigener Solarstrom im Haushalt ankommt, auch morgens, abends und an bewölkten Tagen. Es geht nicht mehr um Spitzenleistung, sondern um Eigenverbrauch.

Der Rechtsrahmen zieht mit

Seit Dezember 2025 gilt die Produktnorm DIN VDE V 0126-95. Am normalen Haushaltsstecker sind höchstens 960 Wp Modulleistung vorgesehen. Größere Systeme bis 2.000 Wp brauchen eine spezielle Energiesteckvorrichtung, die eine Elektrofachkraft installiert oder prüft. Der Regierungsentwurf zur EEG-Novelle 2027 nimmt Steckersolargeräte bis 2 kW Modulleistung und 800 VA von Drosselung und Direktvermarktung aus und bezieht Speicher hinter demselben Wechselrichter in die Definition ein. Seit der neuen VDE-AR-N 4105 gelten Anlagen bis 800 VA auch mit Speicher als Kleinsterzeugungsanlagen.

Kurz: Der Gesetzgeber hat eine eigene, sehr einfache Kategorie für Solarstrom je Haushalt geschaffen. Und sie wird gerade größer und speicherfähig.

Warum größere Stecker im Mehrfamilienhaus an Grenzen stoßen

Im Einfamilienhaus mit Garten oder Flachdach ist das Vier-Modul-Set mit Speicher eine gute Lösung. Im Mehrfamilienhaus sieht es anders aus:

  • Viele Wohnungen haben keinen Balkon nach Süden, im Erdgeschoss und im Norden bleibt wenig Ertrag
  • Vier Module passen an kaum ein Balkongeländer, die Dachfläche gehört der Gemeinschaft
  • Jede Wohnung mit eigener Batterie heißt: viele kleine Speicher in Wohnungen, ohne gemeinsames Brandschutz- und Wartungskonzept
  • Jeder Haushalt entscheidet, kauft und installiert einzeln. Ein einheitliches Fassadenbild und eine planbare Wertsteigerung für den Eigentümer entstehen so nicht

Das Prinzip stimmt also: Solarstrom je Wohnung, hinter dem eigenen Zähler, selbst verbraucht und gespeichert. Nur die Bauform passt nicht zum Mehrfamilienhaus.

Der andere Weg: Strom im Haus verkaufen

Die klassische Antwort der Branche auf das Mehrfamilienhaus ist eine große Dachanlage, deren Strom an die Bewohner verkauft wird, als Mieterstrom oder gemeinschaftliche Gebäudeversorgung. Im typischen Mehrfamilienhaus mit 6 bis 20 Wohnungen je Aufgang lohnt sich das wegen der Komplexität in aller Regel nicht. Der Eigentümer wird Stromlieferant oder braucht einen Dienstleister, es gibt Lieferverträge, Messkonzept, Summenzähler oder Smart Meter je Wohnung, Abrechnung, Abstimmung mit dem Netzbetreiber und eine Teilnahmequote, die nie bei hundert Prozent liegt. Mit MiSpeL und dem geplanten Prosumer-Aufschlag AgNes wird es eher komplizierter als einfacher. Die Fixkosten dieses Aufwands verteilen sich in einem Aufgang mit zwölf Wohnungen auf zu wenige Kilowattstunden.

Der nächste Schritt: hybrid

WohnStrom verbindet beide Welten. Vom Steckersolar übernimmt es die einfache Kategorie: Jede Wohnung bekommt ihren eigenen WohnStrom Erzeuger bis 800 VA, mit eigenem Strang hinter dem eigenen Netzzähler. Es gibt keinen Stromverkauf, keinen Liefervertrag und kein Smart Meter je Wohnung, und jeder Haushalt behält seinen Stromanbieter für den Reststrom.

Von der großen Dachanlage übernimmt es die Effizienz: ein gemeinsames Solardach und eine zentrale LFP-Batterie im Keller statt vieler Einzelgeräte an Balkonen. Die Software regelt in Echtzeit, dass jede Wohnung ihren Anteil an Dach und Batterie genau dann bekommt, wenn sie Strom braucht. Installiert wird fest an einem Tag durch den Elektrobetrieb vor Ort, und alle Wohnungen können profitieren.

  • Mehr Eigenverbrauch als mit Balkonmodulen, weil Dach und Batterie gemeinsam genutzt und intelligent verteilt werden
  • So einfach wie Steckersolar, weil jede Wohnung eine Kleinsterzeugungsanlage hinter ihrem eigenen Zähler ist
  • Für den Eigentümer als Modernisierung oder pauschal umlagefähig, ohne Rolle als Stromlieferant

Fazit

Die Balkonkraftwerk-Zahlen zeigen, wohin die Reise geht: größere Anlagen, Speicher, mehr selbst genutzter Solarstrom je Haushalt. Im Mehrfamilienhaus führt dieser Weg nicht über immer größere Stecker und nicht über den Verkauf von Strom im Haus. Er führt über eine hybride Anlage, die die Einfachheit des Kleinsterzeugers mit der Effizienz von zentralem Dach und zentraler Batterie verbindet.

Quellen

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